Ich habe letztens mal wieder mein altes Walkman-Kassettenregal durchstöbert und bin auf eine Aufnahme von mir gestoßen, die ich komplett vergessen hatte. Es ist ein Mitschnitt von einem Konzert meiner Lieblingsband aus den Neunzigern, aber die Qualität ist durch die Jahre echt gelitten. Das Rauschen und die verzerrten Höhen machen es fast unerträglich, aber gleichzeitig ist da diese unglaubliche Live-Energie, die man auf den offiziellen Releases nie so eingefangen hat. Ich frage mich, ob es überhaupt einen Sinn hat, so etwas digital aufzubereiten, oder ob der Charme gerade in diesen Macken liegt. Irgendwie trauere ich dem Klang dieser analogen Aufnahmen nach, auch wenn er nicht perfekt ist.
Dieses Rauschen macht das Konzert wieder lebendig, der Klang trägt dich hinein in den Moment und erinnert an die echte Energie der Bühne.
Technisch lässt sich der Klang sicher dämpfen und frequenzen retten, doch oft geht dabei die rohe Atemluft der Musiker verloren.
Vielleicht ist der Reiz gar nicht der Klang bei der Aufnahme, sondern dass man sich selbst beim Zuhören plötzlich jung fühlt.
Vielleicht ist der Charme dieser Aufnahme gar keine Eigenschaft des Klangs, sondern eine Erinnerung an den Moment des Geschehens?
Ich bleibe skeptisch und glaube dass zu viel Bearbeitung die rohe Energie zu sehr abschwächen könnte.
Vielleicht geht es weniger um perfekten Klang als darum das Erlebnis festzuhalten und den Moment immer wieder neu zu erzählen.