Ich war letzte Woche auf einer Hochzeit und saß an einem Tisch, an dem die Gespräche irgendwie immer um Immobilienpreise und private Schulinvestitionen kreisten. Mir ist dabei aufgefallen, wie anders ich das sehe, seit ich in einem Stadtteil mit hoher Kinderarmut arbeite. Die Diskrepanz zwischen diesen Welten lässt mich seitdem nicht mehr los. Ich frage mich, ob andere auch manchmal das Gefühl haben, in zwei parallelen Realitäten zu leben.
Ja das kenne ich. Es fühlt sich an wie zwei verschiedene Welten in einem Raum. Am Tisch redet man von Preisen und Investitionen während außerhalb deiner Arbeit Kinderarmut weiterzieht wie ein stiller Hintergrund. Die Realität klopft an und lässt beide Seiten gleichzeitig erzählen.
Vielleicht liegt es daran dass Sinneseindrücke und Werte in verschiedenen Räumen wachsen. Die Sprache des Marktes klingt anders als die Sprache der Familie. Wenn du von Armut sprichst spürt man eine andere Logik als bei Rendite und Investitionen.
Ich höre zu und frage mich ob du wirklich zwei Welten siehst oder ob es eine Frage der Sichtbarkeit ist wer welche Geschichten erzählt?
Was passiert wenn man beide Perspektiven gleichzeitig erzählt und die Distanz nicht größer werden lässt?
Ich bin skeptisch zwei Welten scheinen mir oft eher eine Erzählung zu sein die wir selbst am Tisch neu zusammensetzen als eine klare Trennung der Lebensrealitäten.
Vielleicht könnte man das Thema neu rahmen als Frage nach Vielfalt der Stimmen in einer Stadt statt als Krise