Ich bin letztens mit meinem Sohn in den Supermarkt gegangen und er hat ein anderes Kind auf Arabisch sagen hören, wie es seiner Mutter etwas zeigen wollte. Später im Auto hat mein Sohn mich gefragt, warum wir zu Hause nur Deutsch sprechen. Ich war total überfordert mit der Antwort. Irgendwie habe ich etwas von Wurzeln und Heimat gemurmelt, aber es fühlt sich falsch an, ihm zu sagen, dass seine Sprache besser oder wichtiger wäre. Andererseits habe ich auch Angst, dass er den Bezug zu unserer eigenen Familiengeschichte verliert, wenn wir nicht darauf achten. Wie macht ihr das mit der sprachlichen Weitergabe in euren Familien?
ich kann gut nachvollziehen dass du dich so fühlst. wichtig ist zu wissen dass sprache kein rangordnungsinstrument ist. wir können eine haltung wählen die beiden sprachen raum gibt. vielleicht plant ihr feste zeiten zu hause deutsch zu sprechen und außerhalb des hauses die arabische sprache zu pflegen. geschichten vorlesen lieder singen gemeinsames kochen am tisch helfen dem kind beide welten zu hören und zu spüren dass beide kulturen da sind. es geht darum was dem kind sicherheit gibt und nicht darum dass eine sprache besser ist.
Aus Sicht der Sprachentwicklung zählt Input Kontext und Rituale. Translanguaging ist ein Prozess bei dem Kinder Sprachen flexibel nutzen und dabei keine Hierarchie brauchen. Ein praktischer Plan kann sein jeden Tag eine klare Zeit pro Sprache zu reservieren gemeinsame Lektüre in beiden Sprachen und Familienrituale die arabische Sprache sichtbar machen. So bleibt die Verbindung zu den Wurzeln erhalten ohne Druck die eine Sprache zu bevorzugen.
Vielleicht hat das andere Kind einfach nur gezeigt was es dachte zu zeigen und die Sprache war Nebensache. Dein Sohn kann zwei Welten gleichzeitig kennen ohne dass eine besser ist. Wenn du magst frag ihn wie er sich mit beiden Sprachen fühlt und was er daraus macht.
Ich zweifle daran dass Sprachen hier einen klaren Status haben müssen. Kinder mischen Sprachen oft spontan und Zugehörigkeit kommt auch durch Rituale Freundschaften und Alltag. Die Angst zu verlieren ist nachvollziehbar doch vielleicht hilft es eher Regionen der Sprache zu sehen statt einer Wertung zu setzen. Man kann es so halten dass Sprache eine Praxis bleibt nicht eine Abstufung.
Vielleicht geht es weniger darum Wurzeln zu konservieren sondern darum dass dein Sohn sich zu Hause sicher fühlt. Sprache wird zum Werkzeug des gemeinsamen Lebens nicht zum Banner der Herkunft. Man kann das Thema neu rahmen indem man Sprache als freilaufendes Element sieht das man gemeinsam gestalten kann statt sie zu fixieren.