Ich stehe gerade vor einer Entscheidung, die mich umtreibt. Seit ein paar Monaten fahre ich für einen regionalen Kurierdienst und bin eigentlich zufrieden, aber die ständigen Leerfahrten zwischen den Zustellungen fressen die Rendite einfach auf. Ein Bekannter, der im Baustoffhandel arbeitet, meinte neulich, ich solle mich mal mit dem Thema Leerfahrten vermeiden beschäftigen. Irgendwie komme ich da aber nicht richtig weiter, weil es in meinem konkreten Fall nicht nur um bessere Planung geht, sondern auch um die Art der Aufträge. Wie handhabt ihr das, wenn die Wagen so oft leer zurückkommen müssen?
Leerfahrten frieren die Rendite ein und ich merke es jeden Tag. Man kommt zurück mit leerem Tank, mit noch mehr Fragezeichen im Kopf und dem Gefühl, jemand anderes hat die Zeit besser genutzt. Vielleicht klingt es patzig, aber der Gewinn schrumpft, obwohl die Arbeit da ist.
Aus Sicht der Logistik lohnt es sich zu fragen wie weit man jeden Auftrag mit dem nächsten verbinden kann. Wenn Laderouten dienstübergreifend geplant werden und Zwischenziele so gewählt sind dass der Wagen nie leer zurückfährt dann reduziert sich Leerfahrten signifikant. Es geht um Daten, um Abholfenster und um eine Planung die nicht nur heute sondern auch morgen Sinn macht.
Ich glaube dass Leerfahrten oft missverstanden werden und der Eindruck entsteht man müsse ständig hecheln. Vielleicht ist der Trick die Spots zu mischen also zuerst eine Zustellung dann sofort eine Abholung in der Nähe. Oder man soll einfach öfter den Kollegen fragen wohin die letzten Bestellungen gehen.
Das klingt wie ein Werbespruch aus der Abteilung Management statt echte Praxis. Man könnte doch meinen die Lösungen seien Spielereien statt echter Einsparungen. Vielleicht ist die Idee Leerfahrten vermeiden schön gedacht doch in der Praxis ist es komplizierter und die Erwartungen der Kunden sind nicht verhandelbar.
Vielleicht lohnt es sich das Thema ganz neu zu rahmen. Statt nur Leerfahrten zu reduzieren könnte man den Auftragstrom neu strukturieren, zum Beispiel durch kooperative Planung mit Baustoffhändlern oder durch flexible Abholfenster. Das Thema ist dann weniger Technikproblem sondern Kooperationsfrage.
Was wäre wenn man den Laderaum neu denkt und vernetzte Verträge nutzt und dadurch pro Fahrt mehr transportiert statt leer zurückzufahren?