Ich habe letztens einen Vortrag über ein komplexes Thema gehalten und hinterher kam eine Kollegin auf mich zu. Sie sagte, sie hätte fast alles verstanden, aber dass ich an einer Stelle zu viele Fachbegriffe in zu kurzer Zeit verwendet hätte. Das hat mich echt zum Nachdenken gebracht. Ich wollte eigentlich präzise sein, aber offenbar habe ich dabei einige Zuhörer verloren. Jetzt frage ich mich, wo für euch diese Grenze zwischen notwendiger Präzision und unnötiger Barriere verläuft. Wie entscheidet man, welches Fachvokabular wirklich nötig ist und wann man es besser umschreibt?
Wenn du die Frage aus der Perspektive der Struktur betrachtest geht es um eine Balance zwischen Klarheit und fachlicher Präzision Man wählt Kernbegriffe gezielt aus und liefert gleich beim ersten Auftauchen eine kurze Definition Dann prüft man ob der Begriff wirklich notwendig ist oder ob eine Umschreibung die gleiche Wirkung erzielt Die Grenze ist dort wo der rote Faden verloren geht oder der Eindruck entsteht dass Zuhörer den Sinn nur raten müssen Fachvokabular lohnt wenn es den Kern schneller trifft ohne Umwege
Es fühlt sich oft so an dass zwei Sprachen gleichzeitig gesprochen werden und der eine Teil des Publikums versteht den anderen nicht Gleich zu Anfang eine kurze klare Metapher zu setzen kann Wunder wirken Dann merkt man dass Verständnis wichtiger ist als Fachglanz und dass kleine Bilder oft viel mehr tragen als eine Liste schwerer Begriffe
Vielleicht ist es fraglich ob die Grenze wirklich im Fachvokabular liegt oder ob es eher um den Fluss des Vortrags geht Wer viel Fachsprache einbaut kann einen starken Kern treffen oder eine Mauer errichten Man kann die Worte zuschmeißen oder den Sinn sichtbar machen und am Ende bleibt unklar ob es gelungen ist
Vielleicht ist der Blickwinkel falsch wenn man Fachvokabular als Barriere sieht Man könnte stattdessen das Thema als Netz aus Ideen betrachten und die Begriffe als Knoten die man je nach Bedarf zusammenzieht oder auch weglässt Die kognitive Last wird oft als unsichtbarer Faktor mitgesendet und entscheidet wie viel information jemand noch aufnehmen kann Ohne Anleitungen zu sehr zu erklären könnte man das im Vortrag als Spiel mit Begriffen verstehen an dem das Publikum mitgestaltet wird
Mein sofortiges Gefühl ist dass die Grenze dort liegt wo Bilder stärker bleiben als die Wörter Wenn ich spüre dass die Zuhörer abschweifen reduziere ich schnell den Dichtegrad und suche eine greifbare Analogie Die Pause danach wirkt oft wie ein kurzes Umsteigen
Man könnte einen Erklärungsanker einführen der Begriffe mit dem Kernkonzept verbindet ohne jeden Schritt zu leuchten Das bleibt vage genug um offen zu sein und zugleich hilfreich um Orientierung zu geben