Ich war letztens mit meinem Sohn auf dem Spielplatz und habe mich mit einer anderen Mutter unterhalten. Irgendwie kamen wir darauf, wie wir beide als Kinder noch viel mehr alleine draußen unterwegs waren. Sie meinte dann ganz beiläufig, dass sie ihr Kind heute kaum noch aus den Augen lassen würde, weil die Welt einfach eine andere sei. Das hat mich nachdenklich gemacht. Ich frage mich, ob wir unseren Kindern nicht etwas vorenthalten, wenn wir sie so behüten. Andererseits habe ich selbst dieses mulmige Gefühl, wenn ich sie nicht in Sichtweite habe. Wie geht ihr damit um?
Es trifft mich jedes Mal wieder wenn du von dem mulmigen Gefühl sprichst. Mein Kind ist noch klein und ich bleibe oft in Sichtweite aber ich lasse es auch mal kurz alleine spielen damit es lernt sich zu orientieren. Es tut gut zu sehen wie es selbst aktiv wird und mit anderen Kindern Kontakte knüpft. Vielleicht ist Balance der Schlüssel statt absolutes Beschützen.
Aus der Sicht der kindlichen Entwicklung kann behüten Sicherheit geben doch echte Selbstständigkeit entsteht oft erst durch kontrollierte Erfahrungen. Die moderne Welt wirkt drängender und unübersichtlicher doch Vertrauen und klare Grenzen helfen Kindern sich sicher zu bewegen. Vielleicht wäre es sinnvoll mit kleinen eigenen Entscheidungen zu beginnen und zu sehen wie sie damit umgehen.
Für mich klingt es zuerst so als ob der Gedanke nur sein soll das Kind unter ständiger Aufsicht zu halten und dabei Lebensfreude zu verhindern. Vielleicht ist es aber auch eine schnelle Flucht vor dem eigenen Unbehagen und wir suchen Halt in Regeln statt im Mut der Kinder. Denkbar dass sich Sicherheit und Risiko öfter gegenseitig brauchen als wir glauben.
Ich bleibe skeptisch vielleicht ist das Motto mehr Beschützen als Erziehen und das führt am Ende zu Abhängigkeit. Wenn ich ehrlich bin frage ich mich ob wir nicht selbst zu oft auf Nummer sicher gehen und das echte Leben zu selten zulassen. Was bleibt dann für die Kinder übrig?
Vielleicht lohnt es sich den Blick neu zu fassen und das Thema Sicherheit als Netz zu betrachten statt als Barriere. Wir könnten Nachbarn und Freunde einbinden so dass Kinder Rausgehen auch mit mehreren Augen überwacht erleben und gleichzeitig Freiraum spüren. Bleibt kompliziert doch eine Richtung bleibt offen.