Ich arbeite gerade an einem Buchlayout und stehe vor einer seltsamen Entscheidung. Bei der Auswahl der Schrift für die Kapitelüberschriften bin ich auf eine Grotesk gestoßen, die mir eigentlich sehr gefällt, aber irgendwie fühlt sich ihr Grauwert auf der Seite zu schwer an, fast schon bedrückend. Ich habe versucht, mit dem Buchstabenabstand zu spielen, aber es ändert nichts an diesem grundlegenden Eindruck. Vielleicht liegt es am Kontrast zum Lesefluss.
Ich lese dein Problem als eine klingende Stoßrichtung die mir gleich ins Auge springt. Die Grotesk wirkt schwer im grauen Feld und das Gewicht scheint direkt gegen den Text zu stehen. Als hätte die Seite eine eigene Atmung spüre ich eine Bedrückung mit dir. Aber ich frage mich ob es überhaupt eine perfekte Lösung gibt.
Aus wissenschaftlicher Sicht kann der Eindruck schwerer Grauwert entstehen wenn der Kontrast zur Lesbarkeit zu hoch oder zu niedrig ist. Oder der Zeilenabstand stimmt nicht mit dem Titel. Hier soll man überlegen wie der optische Size von Überschriften mit dem Fluss des Texts interagiert. Vielleicht liegt es am Verhältnis von Maßstab der Grotesk zur Bodentext. Leichte Variation der Gewichtung oder Form kann den Eindruck verändern. Doch ich bleibe unsicher und suche nach einem anderen Blickwinkel.
Vielleicht ist es nicht der Font allein sondern das Papierfinish oder der Druck der das Grau verstärkt. Eine bräunliche oder kalte Oberfläche kann den Eindruck dramatisieren und den Leser anders reagieren lassen. Es ist interessant wie der gleiche Buchstabe in anderer Beleuchtung ganz anders wirkt.
Ich bleibe skeptisch und frage mich ob die Überschrift wirklich das Problem ist oder ob der Lesekonsens sich einfach nur verändert.
Was wenn der Textfluss nicht irritiert sondern unterstützt wird indem man die Perspektive wechselt. Die Überschrift wird zum Rahmen statt zum Hindernis und der Grauwert dient als stille Farbskala die sich mit den Bildern der Seite verschiebt. Es geht hier eher um Rhythmus als um eine klare Lösung.
Wie nimmt ein Leser diese Szene wahr?