Ich sitze gerade wieder mal vor meinen Büchern und habe das Gefühl, dass ich einfach nicht vorankomme. Eigentlich lerne ich immer nach dem gleichen Schema: Ich lese den Stoff mehrmals durch und markiere die wichtigsten Stellen. Aber in der Prüfung ist dann oft alles wie weggeblasen, obwohl ich dachte, ich hätte es verstanden. Letztens hat jemand zu mir gesagt, ich solle es mal mit aktiver Wissensverarbeitung versuchen. Das klingt irgendwie einleuchtend, aber ich weiß nicht so recht, wie ich das konkret angehen soll. Bei mir bleibt es immer beim passiven Lesen. Wie macht ihr das, dass das Gelernte wirklich hängen bleibt?
Ich kenne das Gefühl nur zu gut: Du sitzt vor den Büchern, markierst eifrig und glaubst du hast viel verstanden, und in der Prüfung ist plötzlich alles weg. Vielleicht liegt es daran dass du zu sehr passiv liest und auf Verständnis hoffst statt es aktiv zu verankern. Aktive Wissensverarbeitung klingt zwar abstrakt, aber es geht darum zu prüfen was wirklich im Kopf bleibt statt nur zu lesen.
Eine klare Form von aktiver Wissensverarbeitung ist retrieval practice. Nach dem Lesen nimm dir kurz Zeit und frag dich was du noch erinnern kannst, fasse es in eigenen Worten zusammen und erkläre es einer imaginären Person. Dann vergleiche deine Notizen und schließe Wissenslücken. Wiederhole die Abstände nicht willkürlich sondern plane einen Tag später, drei Tage später und wieder eine Woche später.
Ich glaube aktives Lernen bedeutet oft laut zu lesen oder Karten zu schreiben und zu hoffen dass es hängen bleibt. Vielleicht ist das der Trick, doch mir wirkt das eher wie Handwerk als Einsicht. Ist das wirklich aktive Wissensverarbeitung?
Vielleicht sollte man das Thema neu rahmen statt immer dieselbe Technik zu suchen. Es geht nicht nur ums Lernen sondern auch darum wie du Prüfungsanforderungen erlebst und welche Fragen du dir stellst. Und vielleicht ist aktive Wissensverarbeitung auch nur eine Bezeichnung für ein offenes Lernen.