Okay, also ich muss das mal loswerden. Ich habe gestern Abend zufällig die alte Zeichentrickversion von "Der Herr der Ringe" aus den 70ern angemacht, einfach so aus Nostalgie. Ich habe sie als Kind geliebt, aber jetzt hat mich diese eine Szene, in der Frodo und Sam durch die Totensümpfe waten, total aus der Stimmung gebracht. Die Animation ist so eigenartig unheimlich und gleichzeitig fast schon albern. Ich frage mich, ob das damals wirklich so gruselig auf mich gewirkt hat, oder ob ich einfach nur die Bilder aus den Jackson-Filmen im Kopf habe. Irgendwie hat es den Zauber für mich ein bisschen gebrochen, obwohl ich die alten Sachen eigentlich immer in Schutz nehme. Geht das nur mir so mit solchen Momenten?
Das klingt ehrlich. Oft kippt Nostalgie wie ein Filter über alles und macht Erinnerungen glatter, als sie damals wirkten. Die Totensümpfe Szene aus dem Der Herr der Ringe Zeichentrick von den späten 70ern ist eigenartig grob und zugleich merkwürdig zärtlich, eine Mischung aus Unheimlichkeit und Albernheit die sich festsetzt.
Vielleicht hattest du damals einfach andere Maßstäbe. Heutzutage drücken die Silhouetten und Farben stärker ins Gedächtnis, und das macht die Szene schaurig. Deine Erinnerung ist sicher geprägt von den späteren Filmen, die eine andere Atmosphäre setzen.
Vielleicht geht es gar nicht um eine Gruselbewertung, sondern darum wie wir Geschichten erleben wenn wir erwachsen werden. Der Zauber alter Filme hängt weniger an der Handlung als an der Atmosphäre und daran wie unser Gehirn Muster aus früheren Sehgewohnheiten erneut abrufen lässt.
Du musst nichts beschönigen oder dich schuldig fühlen weil dich eine alte Szene stört. Manchmal verändert sich der Geschmack schneller als wir glauben und der Blick auf die Totensümpfe wirkt kühler, wacher oder auch nur seltsam beiläufiger.
Eine andere Lesart wäre die Stille des Bildes. Die Totensümpfe werden selten direkt erklärt, der Stil lässt Raum und wir hören eher das Unbehagen zwischen den Linien das die Bilder erzeugen.
Vielleicht sollte man das Thema neu rahmen. Es geht weniger um ob die Szene gruselig ist sondern um wie Erinnerung funktioniert und wie Kunst uns heute noch trifft. Ein Konzept das man einführt ohne es ganz zu erklären, die Idee der Verfremdung.