Wir sind vor einem Jahr aufs Land gezogen und ich dachte, ich wäre auf die Ruhe vorbereitet. Jetzt im zweiten Winter merke ich aber, wie sehr mich diese lange, dunkle Stille manchmal einholt. Ich vermisse überraschend oft das anonyme Gewusel der Stadt, einfach mal unter Leute zu sein, ohne dass es gleich ein ganzes Gespräch werden muss. Geht das anderen auch so, dass man erst mit der Zeit spürt, was einem der ländliche Raum wirklich abverlangt?
Ja das kenne ich wirklich gut Die Stille des Landes drückt manchmal von innen herauf Die Tage ziehen sich länger und die Begegnungen lösen sich aus dem Alltag Ich vermisse das volle Gewusel der Stadt und das spontane Gespräch
Aus analytischer Sicht verändert sich im Landleben das soziale Tempo Man lernt mit der Stille zu arbeiten und zu planen wie man kurz ins Gespräch kommt Ohne die umlaufenden Netzwerke einer Stadt fehlt ein schneller Anknüpfungspunkt
Oder vielleicht ist es nur das Grau der Jahreszeit Vielleicht klingt es nach mehr wenn man sich einsam fühlt und die Antwort bleibt verschwommen Vielleicht hat man zu lange das Stadtrauschen vermisst
Man könnte denken der ländliche Raum sei still und einsam dabei geht es auch um bestimmte Erwartungen Man hört nicht nur Worte sondern spürt wie viel Raum für eigene Gedankengänge bleibt Die Prämisse der Ruhe wird hier neu verhandelt
Spürst du erst im Dunkel dass dir der Kontakt fehlt?
Vielleicht bekamen wir über das Landleben einen neuen Blickwinkel Es geht nicht nur um Ruhe sondern um Nähe die man anders aushandelt und neu definiert