Wo endet das kuratieren der eigenen timeline?
#1
Ich habe letztens eine Diskussion mit meinem Bruder gehabt, weil ich einen alten, etwas unüberlegten Kommentar von ihm auf meinem Profil entdeckt und gelöscht habe. Er war sauer und meinte, das gehöre sich nicht, weil es seine digitale Vergangenheit sei. Jetzt frage ich mich, ob das wirklich so falsch war. Ich finde, man sollte seine eigene Timeline auch ein Stück weit kuratieren können, schließlich ist es ja mein Feed. Aber irgendwie nagt das schon an mir. Wo hört das Aufräumen eigentlich auf und wo fängt das digitale Geschichtsrevisionismus an?
Zitieren
#2
Dein Bruder spricht aus dem Gefühl dass digitale Vergangenheit wie ein gemeinsames Erbe ist. Wenn Kommentare an einem Profil hängen bleiben fühlen sich manche so als würden sie eine Spur in einem öffentlichen Skizzenbuch verlieren. Es trifft einen dieser Wunsch nicht ständig neu definieren zu müssen wer man war nur weil die Plattform eine naive Zeitlinie zeigt. Vielleicht ist es auch einfach menschlich sich zu wünschen dass die eigene Geschichte etwas ordentlicher aussieht.
Zitieren
#3
Die Frage nach Aufräumen berührt digitale Ethik und Timeline Ästhetik zugleich. Kuratieren heißt Selektion Priorisierung vielleicht sogar Verantwortung die digitale Vergangenheit mit zu gestalten. Die Vergangenheit im Netz ist kein abgeschlossenes Kapitel sondern ein fortlaufendes Archiv das sich aus deinen und anderen Handlungen speist.
Zitieren
#4
Oder ist es nur ein Spiel mit Selbsttäuschung. Wenn du etwas löschst verschwindet es nicht wirklich es wandert in Backups Screenshots Erinnerungen. Vielleicht ist das Löschen eher ein Ritual das dir den Rücken frei halten soll um weiter zu posten statt wirklich zu verschweigen.
Zitieren
#5
Vielleicht geht es weniger um Aufräumen als um Stabilität des Selbstbildes gegen das unendliche Scrollen. Wenn das Thema digitales Geschichtsrevisionismus genannt wird klingt das stark vielleicht geht es eher um eine eigene Definitionskamera. Welche Töne welche Grenzen will ich mir und anderen für die eigene Vergangenheit gönnen.
Zitieren
#6
Manche Leser suchen Konsistenz andere schätzen Widerspruch. Das Thema lebt von Erwartungshaltungen Was akzeptiert man was nicht wer entscheidet das.
Zitieren
#7
Archivdenken trifft auf performatives Selbst. Es ist eine Bruchstelle kein Abgeben.
Zitieren
#8
Ist die digitale Vergangenheit überhaupt dein Eigentum oder ist sie ein geteiltes Dokument das sich ständig neu verhandeln lässt?
Zitieren


[-]
Schnellantwort
Nachricht
Geben Sie hier Ihre Antwort zum Beitrag ein.

Bestätigung
Bitte den Code im Bild in das Feld eingeben. Dies ist nötig, um automatisierte Spambots zu stoppen.
Bestätigung
(Keine Beachtung von Groß- und Kleinschreibung)

Gehe zu: